Der Wert an sich

Verschiedene Anlässe können zur Bewertung eines Unternehmens / einer Praxis führen: Kauf / Verkauf einer Einheit oder eines Anteils daran, Beitritt oder Ausscheiden eines Anteileigners, Sanierung, Liquidation und anders mehr.

Auch der Zweck der Bewertung kann unterschiedlich sein: Information des Eigners über den Wert einen Vermögensteil oder Ermittlung eines Wertes als Verhandlungsgrundlage einerseits für den Käufer, andererseits für den Verkäufer (Entscheidungswerte) oder als Einigungsgrundlage für einen Kauf bzw. Verkauf etc.

Je nach Anlass und Zweck entstehen somit differenzierte Bewertungsfunktionen: im einen Fall ist der Bewerter Berater, im anderen Vermittler zwischen den Parteien, im dritten neutraler Gutachter vor Gericht usw. Dementsprechend führen Gutachten auch zu abweichenden Ergebnissen: Der Verkäufer einer Einheit möchte seine Preisuntergrenze, der Käufer die Preisobergrenze kennen, bis zu der sich sein potentielles finanzielles Engagement rentiert.

Soll das Gutachten jedoch zu einem Interessenausgleich beitragen, so ist ein Einigungsbereich zwischen den vorgenannten Interessen erforderlich bzw. ein Einigungspreis (Arbitriumwert) zu ermitteln. Im Streitfall muss das Gutachten zu einem objektivierten Wert führen.

Das Fazit bis hierher: Es gibt keinen "Wert an sich" für ein Unternehmen / eine Praxis. Die Wertbestimmung ist abhängig vom Zweck, der im Auftrag formuliert ist.

Nicht nur Unternehmen und Gegenstände werden bewertet, auch an Standorte und immaterielle Sachen, Strategien oder Chancen und Risiken eines Vorhabens können Maßstäbe angelegt werden. Nachfolgend stelle ich einige meiner Gutachten-Aufträge aus diesem Mix vor:

1990er Jahre - internationale Standortvergleiche

Im Rahmen der Öffnung der EU für die Ansiedlung von Unternehmen in anderen Mitgliedsstaaten beauftragte mich der Verlag Norman Rentrop in Bonn mit entsprechenden Standortexpertisen zu den EU-Mitgliedsstaaten Italien, Dänemark, Niederlande, Luxemburg und Frankreich sowie den alten und neuen Bundesländern. Über Monate hinweg bereisten wir diese Länder kreuz und quer, sprachen mit Unternehmern, die diesen Schritt bereits vollzogen, recherchierten bei den EU-Administrationen, diskutierten mit Vertretern der regionalen und kommunalen Politik und Wirtschaft.

Hierdurch erhielten wir einen unschätzbar umfassenden Eindruck von der Wirtschaft(spolitik) zu jener Zeit, den wir - zusammen mit Empfehlungen - in zahlreichen Beiträgen der Verlagszeitschriften festhielten.

1991 Apothekenstandorte in den neuen Bundesländern

Standort-Gutachten brauchte auch eine Gruppe von westdeutschen Apothekern, die sich von uns nach der Wende ihre Chancen in den neuen Bundesländern ausloten ließ. Auch hier besuchten wir zahlreiche Orte in der ehemaligen DDR und erstellten Analysen von Apothekenstandorten im Auftrag des Apothekers Beilharz aus Isny.

1991 Gutachten zum Praxiswert

Diese Ermittlung des ideellen und materiellen Praxiswertes erfolgte für eine der Parteien, Dr. Wilcke in Köln, und war also einer der Fälle, in dem ich als Bewerter eine Preisgrenze ermittelte.

1992 Niederlassungsgutachten

Hier verband sich eine Standortanalyse mit einer konkreten Entwicklungsprognose, nämlich zur potentiellen Entwicklung der Neugründung von Dr. Bergmann in Porta-Westfalica.

1994 Praxis-Akzeptanz-Analyse

1994 boten wir einen einmaligen Service an: Eine strukturierte Befragung zur Patientenzufriedenheit in ärztlichen Praxen. Rund 5.000 Patienten nahmen an unserer Befragung in den Praxen teil und ermöglichten uns ein fundiertes Gutachten zu diesem häufig diskutierten Problem.

1996 Gutachten zum Praxiswert, der Vermögensaufteilung und dem Versorgungsausgleich

Von Dr. Weik in Nienburg erhielt ich den Auftrag, den Praxiswert zu ermitteln sowie die Berechnungsgrundlage für die Vermögensaufteilung zwischen den Eheleuten und den Versorgungsausgleich zu erstellen.

2001 | 2002 Gutachten zum Praxiswert und Praxisanteil nach unterschiedlichen Verfahren

Für den Kölner Neurologen Dr. Lipinski führte ich die Bewertung eines Praxisanteils nach dem Ertragswertverfahren sowie für alle Kooperationspartner gemeinsam die Ermittlung des Substanzwertes, Fortführungswertes und Praxiswertes nach der Richtlinie zur Bewertung von Arztpraxen durch - eine seltene Auftragskombination.

2001 – 2002 Obergutachten für ein Landgericht

Wenn streitende Parteien mit ihren Gutachten vor Gericht keine Einigung erzielen können, beauftragt die Rechtsinstanz mitunter von sich aus ein Obergutachten. In diesen Fällen muß man sich nicht unbedingt dem einen oder anderen Kontrahenten bzw. deren Gutachten anschließen, sondern kann sein eigenes Gutachten davon unabhängig erstellen. So war dies auch im Fall des Obergutachtens, das ich für das Landgericht Berlin fertigte.

2002 Gutachterliche Stellungnahme

Außerhalb des Gerichtes erstellte ich für Dr. Merten in Wangen im Rahmen einer Auseinandersetzung gutachterliche Stellungnahmen zum Wert des Kapitalkontos bei der Praxisgründung. Eine nicht nur für den Gutachter spannende Angelegenheit.

2003 Gutachterliche Stellungnahme zu Praxisbewertung und Abschichtungsbilanz

Eine weitere Variation sachverständiger Arbeit gaben mir die Ärzte Drs. Müller und Musterle in Hochspeyer in Auftrag: Die gutachterliche Stellungnahme zur Bewertung der Praxis und der Abschichtungsbilanz.